Freitag, November 09, 2007

Die Dargebotene Hand

Immer mehr Menschen fallen aus dem Arbeitsbereich sowie aus ihrem sozialen Netz heraus. Durch den unantastbaren Wert der Effizienzsteigerung und Gewinnoptimierung in globaler Abhängigkeit nimmt der Druck auf die Belastbarkeit und Flexibilität des Menschen stetig zu.

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Sonntag, Oktober 07, 2007

Sozialabbau


BLICK 23:45 06.10.2007


Der Bundesrat will bei den Sozialwerken 5,4 Milliarden sparen. Sicherheitshalber soll das Volk aber erst nach den Wahlen über die Abbaupläne informiert werden.




Armen, Alten und Arbeitslosen in der Schweiz drohen massive Mittelkürzungen. Bis 2015 will der Bundesrat im Bundesbudget acht Milliarden Franken einsparen. Bisher war unklar, wie viel davon bei der sozialen Wohlfahrt gestrichen werden soll – also bei AHV, IV oder Arbeitslosenversicherung.


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Freitag, Oktober 05, 2007

Ältere Arbeitssuchende

In den nächsten Jahren wird sich die Altersstruktur der arbeitenden Bevöl­kerung verändern. Die zahlenmässig star­ken Jahrgänge gehen in Pension und gebur­tenschwache Jahrgänge folgen nach. Was Experten für ungefähr das Jahr 2015 voraus­sagen, hat in manchen Branchen bereits begonnen: ein Mangel an Arbeitskräften. Macht man sich in den Unternehmen im Hinblick auf diesen demografischen Wandel Gedanken? Werden neue Modelle entwi­ckelt, damit auch ältere Stellensuchende wieder vermehrt eine Chance haben?

«Partiell kann man ein Umdenken fest­stellen, im grossen Ganzen aber ist der Stel­lenmarkt immer noch sehr auf Junge kon­zentriert», sagt Ruedi Winkler, Inhaber einer Firma für Personal- und Organisationsent­wicklung und Verfasser der soeben erschie­nenen Infoschrift «Arbeitnehmende 50+»*. Dass man sich in den Firmen aber seriös mit dem anstehenden Wandel auseinanderset­ze, davon könne keine Rede sein. «So lange im Voraus planen Unternehmen gar nicht.» Reagiert werde immer nur kurzfristig. «In manchen Firmen werden jetzt Pensionierte wieder eingestellt, weil man festgestellt hat, dass man in etwas zu grossem Stil Mitarbei­tende frühzeitig in Pension geschickt hatte.» Solche Massnahmen lägen aber immerhauptsächlich im Interesse der Unter­nehmen und hätten noch nichts mit «al­ternsgerechter» Personalpolitik zu tun. «Un­ternehmen sind nun mal keine sozialen Institutionen.» Wenn Firmen ihre Mitarbei­tenden bis zur regulären Pensionierung be­schäftigten, sei das auch schon «das höchs­te der Gefühle». Neu einstellen würden sie Bewerbende dieser Alterklasse aber auch nicht mehr.

«Anfang, Mitte 50 – das ist doch eigent­lich noch kein Alter», sagt Susanne Britsch­gi, Mitinhaberin der Axos Personalberatung in Zürich. Aus ihrer täglichen Arbeit weiss sie aber nur zu gut, dass eben dieses Alter manchen Stellensuchenden zum Verhäng­nis wird. «Die Budgets für Personalkosten sind knapp, die Personalverantwortlichen müssen das Optimum herausholen.» Junge Stellenbewerber gäben sich mit niedrigeren Löhnen zufrieden und passten damit über­all besser ins Lohngefüge. Ältere hätten häu­fig unrealistische Lohnvorstellungen. Sol­chen Kunden rate sie, Abstriche zu machen. Tatsächlich kommt es laut Susanne Britschgi häufig vor, dass ältere Stellensuchende an einer neuen Stelle deutlich weniger verdie­nen. Ein häufig geäussertes Argument von Personalverantwortlichen gegen Ältere sei, dass man eine Reihe von Mitarbeitenden in die Frühpension geschickt habe und nur schon aus diesem Grund nicht wieder sol­che einstellen könne. «Und dann ist es ein­fach so, dass die Leute in den Personalabtei­lungen in der Regel sehr jung sind und aus ihrer Perspektive jeden über 50 schlicht als alt empfinden.» Auf die Frage, ob ihr in letz­ter Zeit eine punkto altersgerechter Perso­nalpolitik vorbildliche Firma aufgefallen sei, sagt Susanne Britschgi: «Nein, ich könnte keine nennen.»

ALTERSFREIE PRIVATWIRTSCHAFT

Wie sich die heute gängige Personalpolitik auf die Zusammensetzung der Mitarbei‑enden auswirkt, zeigen die Zahlen deutlich: So sind zum Beispiel bei der Baloise nur gerade 3,4 Prozent der Angestellten über 50 Jahre alt. Bei der Clariant sind es lediglich 4,2 Prozent. Kaum besser schneidet Holcim ab: Hier arbeiten 4,9 Prozent der Angestell­ten, die mindestens fünfzig Jahre alt sind. Bei der Swiss Re sind es sogar nur gerade 2,1 Prozent, wie eine Umfrage des Wirtschafts­magazins «Cash» zeigt.

Doch wo arbeiten jene Arbeitneh­menden, die zwischen 50 und 60 Jahren alt sind? Fragt man bei der öffentlichen Hand nach, stösst man auf eine ganz andere Altersstruktur: So sind zum Beispiel 30 Prozent der kantonalen Angestellten im Kanton Bern über 50 Jahre alt. Im Kanton Zürich ist zwar nicht gerade jeder dritte Angestellte über 50, aber auch hier heisst es, dass man eine regelmässige Verteilung der verschiedenen Altersklassen hat. Im Kanton Bern erklärt man sich die Unterschiede zur Privatwirtschaft unter anderem mit «einem anderen Mob ilitätsverhalten». Wer zum Bei­spiel als Polizist beim Kanton angestellt ist, bleibt oft bis zur Pensionierung dem Arbeit­geber treu. Nicht zuletzt auch deshalb, weil es in diesen Berufen kaum möglich ist, den Arbeitgeber zu wechseln.

Da die Kantone bereits Erfahrungen ge­sammelt haben mit einem im Vergleich zur Privatwirtschaft hohen Anteil an älteren Ar­beitnehmenden, gibt man sich heute relativ gelassen gegenüber der demografischen Entwicklung. Es brauche Anpassungen, heisst es, so gibt es sowohl in Bern wie in Zürich ein Konzept, mit welchen Massnah­men man sich auf die demografischen Ver­änderungen vorbereiten will. Denn bereits im Jahr 2010 werden die Frauen und Män­ner über 40 Jahre mit 55 Prozent in der Schweiz die Mehrheit der Bevölkerung bil­den. Im Kanton Zürich sind die ersten spe­zifischen Kurse umgesetzt worden. Ältere Arbeitnehmende erhalten spezielle Weiter­bildungen, aber auch die Vorgesetzten wer­den geschult, damit sie die älteren Arbeit-nehmenden in Zukunft besser einbinden.

Zwar gibt es neben der öffentlichen Hand eine Reihe von Unternehmen, die in den letzten Jahren eine altersgerechte Politik eingeführt haben und ihre älteren Mitarbei­tenden gezielt fördern. Dass die Schweizer Arbeitgeber jedoch grundsätzlich auf die demografische Entwicklung schlecht vorbe­reitet sind, zeigt eine Studie der Personal­vermittlungsfirma Adecco, die diesen Früh­ling veröffentlicht wurde: Eine Umfrage in verschiedenen europäischen Ländern zu dieser Frage ergibt, dass nur gerade Frank­reich noch schlechter als die Schweiz ab­schneidet. Fazit der Studie: Die Schweiz hat einen grossen Nachholbedarf und muss ihre älteren Arbeitnehmenden besser ein­binden, sei es durch gezielte Weiterbil­dungen oder durch Gesundheitsschulung.

VERLUST AN KNOW-HOW

Ja-Job ist ein neues Stellenvermittlungsbüro in Stäfa. «Ja» steht für jung und alt. Warum richtet sich die Firma explizit auch an ältere Stellensuchende? Mitinhaber Bernhard Müller ist auch Inhaber einer Informatikfir­ma. Er hat miterlebt, wie viele seiner Kun­den in den letzten Jahren ältere Mitarbei­tende entliessen. «So begann ich mich für diese Altersgruppe zu interessieren. Ich wollte etwas für sie tun.» Wichtig ist seiner Meinung nach, dass Erwerbslose so schnell wie möglich individuell gecoacht werden. Er und seine Geschäftspartnerin arbeiten eng mit den RAV zusammen, für die sie ein Stellenvermittlungsprogramm konzipiert haben. Müller hat kürzlich 300 Firmen im Raum Zürich einen Fragebogen zum Thema 50+ verschickt. Die Frage, ob sie über 50­Jährige einstellen würden, hätten noch er­staunlich viele mit Ja beantwortet. Eine wei­tere Frage lautete, ob sie sich auch öffentlich dafür stark machen würden. Darauf sei die Antwort durchwegs klar ausgefallen: Kein Interesse. Dass vermehrt auch wieder Ältere
zum Zug kommen, erstaunt Müller nicht. «In vielen Firmen merkt man, dass die alten Füchse fehlen.» Die Kündigungswelle vor rund fünf Jahren hat seiner Meinung nach «riesige Know-how-Löcher hinterlassen».

VORBEHALTE JE NACH KONJUNKTUR

Trotz allen Schwierigkeiten: Der Anteil der Arbeitslosen in der Altersgruppe 50 bis 59 ist deutlich geringer als in allen anderen Alters­kategorien. Ganz anders sehen die Zahlen bei den Langzeitarbeitslosen aus. Die kürz­lich erschienene AMOSA-Studie** zu Lang­zeitarbeitslosigkeit bestätigt, dass ältere Arbeitnehmende seltener arbeitslos werden als jüngere. Wenn sie aber arbeitslos wer­den, dann ist ihr Risiko, langzeitarbeitslos zu werden, sehr hoch. Die Studie kommt in der in der Altersgruppe 50 bis 59 auf 31 Pro­zent bzw. 39 Prozent.

«Seit etwa einem Jahr ist wieder etwas Bewegung in den Stellenmarkt gekommen», sagt Suzanne Bauer, Leiterin des RAV Win­terthur, «und zwar so, dass durchaus auch Ältere wieder vermehrt eingestellt werden.» Es sei jedoch ein Riesenunterschied, ob je­mand 50 oder 60 Jahre alt sei. «Die Chance, mit über 60 Jahren nochmals eine neue Stel­le zu finden, ist gleich null.» Voraussetzung für eine neue Stelle sei bei älteren jedoch mehr noch als bei jüngeren Stellensuchen­den, dass die Arbeitsbiografie stimmt, das heisst, eine gute Ausbildung, gute Arbeits­zeugnisse und ein lückenloser Lebenslauf sind unerlässliche Voraussetzungen. An­sonsten sei der Jugendlichkeitswahn auf dem Arbeitsmarkt noch weit verbreitet, ganz besonders in der IT- und Multimedia-Branche. Ihrer Meinung nach ist der Um­gang mit dem Alter der Mitarbeitenden eine Frage der Firmenkultur. «Ich persön­lich finde eine gewisse altersmässige Band­breite überhaupt kein Problem, ganz im Gegenteil», sagt Suzanne Bauer. Auf dem RAV in Winterthur seien selbstverständlich Mitarbeitende aus mehreren Generationen vertreten. Die Jüngeren könnten vom Know-how der Älteren profitieren. Für Vor­behalte gegenüber Älteren gibt es ihrer Mei­nung nach verschiedene Gründe. «Druck und Tempo haben sicher sehr zugenommen und so sind vielleicht gewisse Personalver­antwortliche der Ansicht, dass die Älteren nicht mehr mithalten können.» Doch sei es erstaunlich, betont Suzanne Bauer, wie schnell solche Vorurteile verschwinden, wenn es mit der Konjunktur wieder auf­wärts geht. .

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Nichts unversucht lassen

«Es vergeht kein Tag, ohne dass ich eine oder mehrere Bewerbungen schreibe», sagt Markus Hablützel*. Der 55-Jährige tut dies seit mittler­weile fünf Jahren. 400- oder 500-Mal hat er sich mittlerweile beworben. So genau kann er das nicht mehr sagen. Er hat längst aufgehört zu zählen. Ganze drei Mal wurde er zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen.

Zuletzt war Markus Hablützel im Direktions­kader einer Schweizer Privatbank tätig, aller­dings nur ein Jahr lang. Zuvor arbeitete er als selbstständiger Berater im Allfinanz-Bereich. Von der neuen Stelle versprach er sich eine gewisse Kontinuität und Sicherheit. Er unter­zog sich einem ausserordentlich aufwändigen Bewerbungsprozedere mit zehn Vorstellungs­gesprächen. Die Enttäuschung war gross, als er nur ein halbes Jahr später die Kündigung erhielt. Die Bank hatte eine andere gekauft. Als Folge dieser Übernahme wurde seine Stelle gestrichen. Die Bank entliess ihn mit einer Abfindung und bezahlte ihm eine Outplace­ment-Beratung, was ihm seiner Meinung nach aber nichts brachte.

Er meldete sich auf dem Regionalen Ar­beitsvermittlungszentrum RAV. Dort wurderasch klar, dass ihm bei der Stellensuche nie­mand helfen konnte. So nahm er die Unterstüt­zung von Personalvermittlern in Anspruch. Er habe mit Freude zur Kenntnis genommen, sagt Markus Hablützel, als ein Headhunter ihm vor einigen Monaten gesagt habe, mit dem Ju­gendlichkeitswahn sei es vorbei, der Trend gehe jetzt in eine andere Richtung: ältere und erfahrene Leute seien wieder gefragt. Heute, ein paar Dutzend Bewerbungen später, stellt Markus Hablützel ernüchtert fest, dass er von diesem angeblichen Trend bisher nichts ge­merkt, geschweige denn davon profitiert hat. «In den Firmen wird zu wenig sozial gedacht, die Unternehmen machen Profit auf Kosten der Arbeitnehmer.» An den Personalvermittlern liegt es seiner Meinung nach nicht. Diese be­teuerten ihm gegenüber immer wieder, dass sie gerne auch Ältere vermitteln würden, doch seien die Vorgaben der Firmen derart rigoros – bezüglich des Alters beispielsweise liege die Limite allerhöchstens bei 45 – dass sie fürch­teten, ihre Aufftraggeber zu verlieren, wenn sie ihnen nicht einen hundertprozentig dem Anfor­derungsprofil entsprechenden Kandidaten vor­schlagen würden.

Heute ist Markus Hablützel von der Fürsor­ge abhängig. Die zermürbende Suche nach einer neuen Stelle hat sich auch auf sein Privat­leben ausgewirkt. Seine Frau zog mit dem Kind aus der gemeinsamen Wohnung aus. Am wich­tigsten ist ihm momentan, dass er gesund bleibt. Er hat miterlebt, wie Kollegen in ähn­lichen Situationen mit psychischen Problemen kämpfen. Und wie schafft er es nach den un­zähligen Absagen überhaupt noch, Bewer­bungen zu verschicken? Er wolle die Hoffnung nicht aufgeben und dürfe einfach nichts unver­sucht lassen, sagt Markus Hablützel. Am liebs­ten wäre ihm eine Stelle im Vertrieb oder im Marketing eines Finanzdienstleisters.

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Montag, Juli 02, 2007

Weniger Sozialfälle in Städten

Rückgang in Zürich, Basel, Winterthur, Uster und Schaffhausen
Die gute Konjunktur entschärft die finanzielle Situation der Sozialhilfe. In fünf von acht Schweizer Städten ist die Zahl der Sozialfälle im Jahr 2006 gesunken. Wo die Fallzahlen noch stiegen, hat sich die Zunahme immerhin deutlich abgeschwächt. Die Sozialamts-Vorsteher sprechen von leichter Entspannung, wollen aber noch keine Entwarnung geben.
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Vor allem die Wirtschaft müsse bereit sein, tatsächlich vermehrt Personen zu beschäftigen, die länger arbeitslos waren oder nicht hoch qualifiziert sind. Auch in der IV sei die Arbeitsintegration mit aller Konsequenz zu verfolgen. Sollte dies nicht gelingen, drohe wiederum zusätzlicher Druck auf die Sozialhilfe.

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Dienstag, Juni 26, 2007

flexibles Rentenalter

Gewerkschaftsbund fordert flexibles Rentenalter für alle
Schindlemacher lässt Späne fliegen.

In Sonntagsreden sind ältere Arbeitnehmende begehrt. Die Realität sieht anders aus: Wer ab 50 eine Stelle sucht, stösst auf grösste Schwierigkeiten. Der Schweizerische Gewerkschaftsbund (SGB) fordert ein flexibles Rentenalter ab 62 Jahren, den Abbau von Diskriminierungen und mehr Weiterbildung.

[sda] - Immer weniger ältere Arbeitnehmende gehen in der Schweiz einer Erwerbsarbeit nach. Die Erwerbsquote der älteren Beschäftigten sei in den letzten 15 Jahren ständig gesunken und liege mittlerweile noch bei 67,7 Prozent, stellte SGB-Präsident Paul Rechsteiner vor den Medien in Bern fest.

Der freiwillig gewählte Ausstieg (Frühpensionierung) sei heute das Privileg hoher Einkommen. Häufig stehe das vorzeitige Ausscheiden mit gesundheitlichen Problemen im Zusammenhang. Die IV-Quote der Männer vor dem ordentlichen Rentenalter sei enorm hoch, so Rechtsteiner.
Immer häufiger sind laut SGB aber die Fälle des unfreiwilligen Ausscheidens aus dem Erwerbsprozess. Diese Menschen seien meist ohne reale Chancen, im Alter von 55 bis 65 Jahren noch eine Arbeitsstelle finden zu können.

Der SGB fordert daher ein Recht auf einen flexiblen Übergang in die Pensionierung auch für untere und mittlere Einkommen. Ältere Arbeitnehmende sollten das Recht auf eine Frühpensionierung in der AHV ab Alter 62 haben. Arbeitnehmende in gesundheitlich besonders belastenden Berufen sollten ab Alter 60 eine Überbrückungsrente erhalten.

Ab 55 Jahren sollen laut SGB die Beschäftigten ausserdem ihren Stellenumfang um 10 bis 20 Prozent kürzen können. Dabei soll durch Änderungen bei den Sozialversicherungen die volle Versicherung für den Lohn für 100 Prozent weiter gelten.
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solange es dann noch so soziale Unternehmen wie die Migros gibt...........

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Samstag, Februar 03, 2007

Suche nach dem richtigen Weg

Die 5. IV-Revision hat sich unter anderem zum Ziel gesetzt, mehr Menschen wieder in den Arbeitsmarkt zu integrieren.

Ein Mensch, nennen wir ihn Hans Meier, arbeitet als Sachbearbeiter in einem KMU. Als der Betrieb in eine Krise rutscht, häufen sich seine Absenzen. Einmal setzen ihn Rückenschmerzen ausser Gefecht, dann muss er wegen eines Burn-Outs einen Kuraufenthalt absolvieren, danach schreibt ihn der Arzt wegen einer Depres­sion krank. Als im Betrieb schliesslich Stel­len abgebaut werden, muss Meier, der zu jenem Zeitpunkt gerade einmal nicht krank geschrieben ist, als erster gehen.

Er meldet sich beim RAV an und liefert pflichtschuldig, aber ohne Motivation seine zehn Bewerbungsbemühungen pro Monat ab, denn er weiss, dass seine Qualifika­tionen auf dem Arbeitsmarkt nicht gerade gefragt sind. Er besucht den einen oder an­deren Weiterbildungskurs, nimmt an einem Beschäftigungsprogramm teil – und ist nach Ablauf der 400 Wochentage, in denen er Taggelder erhält, immer noch arbeitslos. Physisch wie psychisch baut er auch in die­ser Zeit massiv ab.

Danach reichen die Ersparnisse noch ein Jahr, bevor er den Gang aufs Sozialamt nicht mehr abwenden kann. Der zuständige So-zialarbeiter schickt ihn erneut in Beschäftigungsprogramme, um seine Arbeitsmarkt­fähigkeit zu erhöhen, doch der gewünschte Erfolg bleibt aus. Meiers Gesundheitszu­stand verschlechtert sich in all dieser Zeit zusehends, und irgendwann fordert ihn der Sozialarbeiter auf, sich bei der IV anzumelden.

Diese lässt Meier nach einer Wartefrist abklären und kommt zum wenig überra­schenden Schluss, dass Meiers Verfassung ursächlich mit seiner Situation zusammen­hänge. Was er brauche, sei deshalb keine Rente, sondern berufliche Massnahmen, die ihm den Weg zurück ins Erwerbsleben ebnen. Über fünf Jahre nach den ersten Krankheitssymptomen steht Hans Meier wieder ganz am Anfang.

VORPROGRAMMIERT

Hans Meier gibt es nicht. Nicht erfunden hingegen ist der Gang durch die Institutio­nen. Wenn sich alle involvierten Amtsstellen und Versicherungen streng an den Buchsta­ben des Gesetzes halten, dann kann dieser Abstieg in Raten im Gegenteil im schlimms­ten Fall genau so vor sich gehen. In den Aktenschränken der IV und der Sozialbehör­den stapeln sich heute ähnlich gelagerte Fälle.

Das ist weniger die Schuld der Institutio­nen, sondern der Gesetze, die jedem ein­zelnen Sozialwerk bestimmte Aufgaben zu­weisen. Das RAV hat keine Berechtigung, gesundheitliche Abklärungen anzuordnen, die Sozialämter kommen als subsidiäre Be­hörde gemäss Auftrag erst dann zum Zug, wenn alle anderen Möglichkeiten ausge­schöpft sind, und die IV wird erst einge­schaltet, wenn sich jemand von sich aus anmeldet – sei es aus freien Stücken oder auf Weisung des Sozialamtes. Das ganze System ist geradezu darauf ausgelegt, schwer vermittelbare, gesundheitlich ange­schlagene Menschen aufs Abstellgleis zu schieben. Die Folgen: Die Zahl der Fürsor­geabhängigen steigt abgesehen von kon­junkturellen Schwankungen seit Jahren konstant an, und bei der IV sind es vor allem psychische Leiden, welche für den rasanten Anstieg der Rentenanträge in den vergan­genen 15 Jahren gesorgt haben. Wer heute nicht voll leistungsfähig ist, hat es immer schwerer, im Arbeitsmarkt eine Nische zu finden.

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